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LSBT Diversity – Wo klemmt’s?

LSBT Diversity – Wo klemmt’s?

Offenheit – Ein Spiegel der Kultur

LSBT* leben immer dort offen, wo sie keine Angst haben müssen, benachteiligt zu werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Familie, einen Ort, eine Firma oder ein Land handelt. Diese „Organisationen“ liefern lediglich den Raum in dem bei fehlender Offenheit Nachteile zu befürchten sind: Ignoranz, Ausgrenzung, Nicht-Beförderung, Verstoßen oder sogar Bestrafung.

 

Was heißt das für Firmen?

In vielen Firmen gibt unter LGBT* Mitarbeitern die Befürchtung, nach einem Coming Out als „nicht systemkonform“ zu gelten und Benachteiligung zu erleben. Was sind hierfür Indikatoren? Wie viele offen geoutete Führungskräfte oder TopManager gibt es in Ihrem Unternehmen?

Viele Firmen haben bereits erkannt, dass in ihrer Unternehmung eine Kultur herrscht, die das eigene System träge, unflexibel und alles andere als innovativ erscheinen lässt. Diversity und Kulturprogramme stehen deshalb ganz oben auf der Liste strategischer Themen um hier einen Wandel zu bewirken.

Leider beobachte ich häufig, dass dieser gut gemeinte Ansatz nicht oder nur im geringen Maße zum Ziel eines offenen Umgangs miteinander und somit einer offenen Unternehmenskultur führt. Die meisten Firmen übersehen bei all der Euphorie für eine neue Kultur einen wesentliche Aspekt: die bestehende Kultur. Und die lässt sich nicht einfach mal so wegreden oder austauschen.

 

Was ist genau das Problem?

Die bestehende Kultur beinhaltet Punkte wie „keine Schwäche zeigen“, „ich will Lösungen und keine Probleme“, „immer wissen, was passieren wird“, „effizient und effektiv bedeutet dass man die Kosten schon im Vornherein definiert“, „Widersprüche in der hierarchischen Befehlskette sind unerwünscht“.

Und genau in dieser Haltung gehen die meisten Firmen dann auch die Kulturänderungen an. Sie versuchen

  • eine neue Offenheit immer wieder betonen
  • engagierte LSBT* Mitarbeiter maximal für Außenwerbe-Zwecke einzusetzen
  • Ängste kleinzureden

Wo sind aber die Maßnahmen und Beispiele, die die Angst vor persönlichen Nachteilen bewusst aushebeln? Woran können „Betroffene“ erkennen, dass es nicht nur Gerede, sondern Ernst gemeint ist? Durch weiteres wiederholen des bereits gesagten?

 

Wie erging es mir persönlich?

Als schwuler Mann, der mit 19 zu Hause rausgeflogen ist und eine „Ehe“ verloren hat, war ich immer auf der Suche nach mir selbst… also nachdem, wer ich wirklich sein will. Dabei habe ich mich, wie ich war, wie ich bin, stets abgelehnt. Dies war jedoch genau mein Fehler, denn ich bin schließlich, wie ich bin.

Erst diese fundamentale Erkenntnis gab mir die Möglichkeit, mich zu verändern, denn zunächst musste ich mit mir ins Reine kommen und mich selbst verstehen. Meine ständige Ablehnung hatte es dabei nur noch schlimmer gemacht, mich selbst und wer ich bin zu akzeptieren.

Wenn wir davon ausgehen, dass Gemeinschaften (Familien, Orte, Firmen, etc.) nur die Summe von Individuen sind, dann könnte doch der Weg aus dem ständigen auf der Stelle treten sein, dass wir damit anfangen, uns einzugestehen, wer wir heute sind und wie es dazu kam.

Und dabei geht es nicht darum zu jammern oder schlechtzureden, sondern um die absolute Ehrlichkeit zu uns selbst. Denn um die geht es doch, wenn wir von einer Kultur der Offenheit predigen, oder?

 

Wie kann also Glaubwürdigkeit entstehen?

Firmen, die davon betroffen sind, können ausgehend von meiner persönlichen Erfahrung ganz einfach den ersten Schritt hin zu einem Kulturwandel beginnen:

  1. Offenheit: Analysieren Sie unvoreingenommen und ehrlich die aktuelle Situation und Kultur in Ihrem Unternehmen.
  2. Vorleben: Befördern Sie dabei auch Menschen, die anders sind als der in Ihrer Firma bevorzugte Managertyp, ganz bewusst in Positionen, die von der Gesamtheit gut wahrgenommen werden können. Damit wird klar, dass Sie es ernst mit einem Wandel meinen.
  3. Einbinden: Arbeiten Sie an den Kulturthemen und binden Sie die „Betroffenen“ aktiv mit ein. Machen Sie sie zum Teil der Lösung, damit sie Gestalter werden.
  4. Barrieren abbauen: Sprechen Sie aktiv über die Ängste. Nur so können diese überwunden und Verständnis geschaffen werden. Kleinreden, Abtun oder gar falsche Stärke sind hier fehl am Platz und führen nur ins Gegenteil.

 

Alles andere ist so tun als ob. Dafür hab ich mich nicht geoutet.

Warum sollten es dann andere tun?

 

*LSBT steht hier für alle sexuellen Orientierungen und geschlechtliche Identitäten (WIKIpedia)

Schonmal Vorwürfe gemacht?

Schonmal Vorwürfe gemacht?

Mir ist es leider schon häufig passiert, dass ich anderen Menschen Vorwürfe gemacht habe.

„Die haben keinen Mut, mal etwas anders anzugehen!“
„Warum geben die ihre Fehler nicht zu?“
„Wieso mischen die sich überall ein?“

Selbstwahrnehmung

Ich war in diesen Situationen oft wütend, enttäuscht oder frustriert, weil etwas nicht so lief, wie ich es mir vorgestellt habe. Die Frage aber ist doch, habe ich durch meine emitionalen Ausbrüche etwas verändert? Oder hat sich etwas geändert, wenn ich aus dieser Emotion heraus gehandelt habe, indem ich z.B. jemanden etwas weggenommen habe („Du kannst das nicht!“)?

Natürlich hat sich nichts geändert, es hat alles nur schlimmer gemacht.

Analyse

Wenn ich tief in mich hineinsehe und überlege, dann muss ich zugeben, dass hinter diesen starken Emotionen immer nur eins steckte: Angst

Angst davor, selbst

  • als nicht mutig zu gelten
  • Fehler zugeben zu müssen
  • nichts zum Erfolg beigetragen zu haben > Schwächen zu zeigen

Ich stand dabei meistens unter Stress, das führte zu komischen Handlungen und dadurch zu noch mehr Stress und somit zu noch mehr Angst.

Damit wurde es zur selbsterfüllenden Prophezeiung (eigenes Grab geschaufelt).

Erkenntnis

Um die Entscheidung treffen zu können, so weiterzumachen oder nicht, braucht man Erkenntnisse. Diese können in jeglicher Situation kommen.

Ich brauchte davon eine ganze Menge, um aufzuwachen:

  • mein Freund stellte die richtigen Fragen
  • meine Freunde
  • vertraute Kolleg_innen
  • ein notfallmäßiger Transport von Feldafing ins Tutzinger Krankenhaus wegen Bluthochdruck
  • eine Aura (Sehstörung) während eines Meetings
  • meine Ärzte
  • mein Psychologe & Coach

Transformation

Schlussendlich ist es immer das gleiche:

„Die Erkenntnis macht noch keinen Unterschied, sondern die Umsetzung.“

Nun konnte ich mich nächst bei Menschen entschuldigen, die ich verletzt hatte. Um jedoch das Erkannte auch in die Tat umzusetzen, war es notwendig, eine Entscheidung zu treffen:

„Ich akzeptieree, dass ich ein Mensch mit Ängsten und Schwächen bin.“

Was ist dadurch geschehen?
Vieles. Ich kann heute darüber reden und andere können mir helfen, zu erkennen, ob ich gerade so handle, weil ich Angst vor etwas habe, oder es einfach nicht kann, aber will, dass es funktioniert. Damit kann ich aktiv um Hilfe bitten.

Darüber hinaus verurteile ich Menschen nicht mehr.
Mit der Akzeptanz, dass ich so bin, wie ich bin, fällt es mir auch leichter, andere zu akzeptieren.

Und ich übe jeden Tag. :wink:


In meinem Buch mit kleinen Geschichten, habe ich einen „Witz“ gefunden, der das Thema #Projektion behandelt, also dass man die eigenen Schwächen in anderen zum Teil erkennt.

„Also vorsichtig mit Vorwürfen, man sagt mehr über sich als über andere.“ :wink:

 

witz_projektion

 

Buch-Quelle:
Jorge Bucay, Komm, ich erzähl dir eine Geschichte

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