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Autor: Alex

Über Ängste spricht man nicht

Über Ängste spricht man nicht

Den Großteil meines Lebens beschäftigte mich die Frage: „Wie sehen mich die anderen?“ Und zwar so sehr, dass ich die Wirklichkeit um mich herum gar nicht mehr mitbekommen habe. Heute kenne ich den Auslöser für mein Verhalten. „Die Angst vor Ablehung.“

Natürlich ging in meiner Kindheit etwas schief. Dafür habe ich meinen Eltern auch lange Zeit Vorwürfe gemacht. Verändert hat das natürlich nichts, außer alles nur noch schlimmer. Doch ich spürte immer diesen Druck. Den Druck, besser sein zu wollen.

Dieser Antrieb lies mich auch immer wieder Dinge über das Normalmaß hinaus tun. Ich ging über meine Grenzen, immer wieder und brauchte danach oft eine Auszeit. Bereits in der Schule schwankte ich zwischen 1er- und Wiederholungs-Kandidat.

Meinen ganzes Leben verlief am Limit. Meine Ausbildung, mein Beruf, meine Beziehungen und meine Freizeit-Gestaltung; einfach alles. Immer um Vollgas und Vollbremsung:

  • 70-80 Stunden / Woche -> krank
  • niemals nein sagen können und allen Menschen helfen wollen -> Tauchstation
  • mit 130kg im Übergewicht -> 79kg ins Untergewicht
  • viel Unterwegssein -> nur noch daheim bleiben
  • etc.

Den Mittelweg erkannte ich nicht, das Hamsterrad lief und ich war viel zu beschäftigt. (hat ein bisschen was von einer manischen Depression)

Selbst nach dem Tod meines Vaters, dem Auseinanderbrechen der Beziehung mit meinem Ex-Mann und der totalen Erschöpfungsphase, war mir nicht klar, was hier eigentlich passiert und warum. Der Tunnel fühlte sich immer enger an und ich beschleunigte immer weiter.

 

Dann passierte etwas…

Es dauerte zwei Jahre, in denen ich mich ein bisschen abkühlen konnte. Das war nötig um zu erkennen, dass hier irgendetwas falsch läuft. Ich bekam die Möglichkeit für drei Monate in Peking zu arbeiten. Dieser Abstand zu Allem lies mich Vieles aus einem ganz andern Blickwinkel betrachten.

Plötzlich war die Frage nicht mehr, wer ich gern wäre, sondern: Wer bin ich?

Und je mehr Menschen mir über den Weg liefen, die sich für mich als Menschen interessierten, desto stärker wurde auch mein Wunsch nach Veränderung. Ich traf Entscheidungen, die mein Leben beeinflussten. Zurück aus China beendete ich meine damalige Beziehung und zog nach München um. Ich wollte raus aber immer noch die Möglichkeit, zurück-zu-kehren.

Ich war allein und konnte das erste Mal lernen mich selbst zu spüren. Bis zu drei Dates pro Woche halfen mir, Menschen und mich, meine Emotionen und mein Verhalten kennenzulernen.

Mit der Zeit bekam ich ein Gefühl dafür, wo sich Muster eingeschlichen haben mit denen ich mich immer wieder selbst zu überlisten versuchte: Kompensation der Angst vor Ablehnung durch übertriebene Leistungsbereitschaft oder gespieltes Selbstbewusstsein.

Auf Arbeit kam ich glücklicherweise noch mit dem Diversity-Thema in Berührung und erkannte schnell, dass es auch hier darum ging, Mensch sein zu dürfen. Also genau mein Thema.

 

Ich wurde sicherer…

Viele Menschen, denen ich begegnet bin halfen mir aus den alten Mustern herauszukommen. Ich konnte erkennen, wie ich wirkte oder wie Menschen und Situationen auf mich wirkten. Und mit der Zeit wurde das Reflektieren zu einer Selbstverständlichkeit.

Alle Lösungsansätze wie Wegreden, Unterdrücken, Versuch-des-Positivsehens, etc. gingen schief. Sie sind nicht ehrlich und genau darin liegt ja das ursprüngliche Problem: man ist nicht ehrlich zu sich selbst.

Natürlich gab es immer wieder Rückschläge und Ängste um mich herum haben mich auch immer wieder angesteckt und mitgerissen. Es lohnt sich, dran zu bleiben und geduldig mit sich selbst zu werden.

 

Wo weichst Du Deiner Angst aus und machst Dir was vor?

LSBT Diversity – Wo klemmt’s?

LSBT Diversity – Wo klemmt’s?

Offenheit – Ein Spiegel der Kultur

LSBT* leben immer dort offen, wo sie keine Angst haben müssen, benachteiligt zu werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Familie, einen Ort, eine Firma oder ein Land handelt. Diese „Organisationen“ liefern lediglich den Raum in dem bei fehlender Offenheit Nachteile zu befürchten sind: Ignoranz, Ausgrenzung, Nicht-Beförderung, Verstoßen oder sogar Bestrafung.

 

Was heißt das für Firmen?

In vielen Firmen gibt unter LGBT* Mitarbeitern die Befürchtung, nach einem Coming Out als „nicht systemkonform“ zu gelten und Benachteiligung zu erleben. Was sind hierfür Indikatoren? Wie viele offen geoutete Führungskräfte oder TopManager gibt es in Ihrem Unternehmen?

Viele Firmen haben bereits erkannt, dass in ihrer Unternehmung eine Kultur herrscht, die das eigene System träge, unflexibel und alles andere als innovativ erscheinen lässt. Diversity und Kulturprogramme stehen deshalb ganz oben auf der Liste strategischer Themen um hier einen Wandel zu bewirken.

Leider beobachte ich häufig, dass dieser gut gemeinte Ansatz nicht oder nur im geringen Maße zum Ziel eines offenen Umgangs miteinander und somit einer offenen Unternehmenskultur führt. Die meisten Firmen übersehen bei all der Euphorie für eine neue Kultur einen wesentliche Aspekt: die bestehende Kultur. Und die lässt sich nicht einfach mal so wegreden oder austauschen.

 

Was ist genau das Problem?

Die bestehende Kultur beinhaltet Punkte wie „keine Schwäche zeigen“, „ich will Lösungen und keine Probleme“, „immer wissen, was passieren wird“, „effizient und effektiv bedeutet dass man die Kosten schon im Vornherein definiert“, „Widersprüche in der hierarchischen Befehlskette sind unerwünscht“.

Und genau in dieser Haltung gehen die meisten Firmen dann auch die Kulturänderungen an. Sie versuchen

  • eine neue Offenheit immer wieder betonen
  • engagierte LSBT* Mitarbeiter maximal für Außenwerbe-Zwecke einzusetzen
  • Ängste kleinzureden

Wo sind aber die Maßnahmen und Beispiele, die die Angst vor persönlichen Nachteilen bewusst aushebeln? Woran können „Betroffene“ erkennen, dass es nicht nur Gerede, sondern Ernst gemeint ist? Durch weiteres wiederholen des bereits gesagten?

 

Wie erging es mir persönlich?

Als schwuler Mann, der mit 19 zu Hause rausgeflogen ist und eine „Ehe“ verloren hat, war ich immer auf der Suche nach mir selbst… also nachdem, wer ich wirklich sein will. Dabei habe ich mich, wie ich war, wie ich bin, stets abgelehnt. Dies war jedoch genau mein Fehler, denn ich bin schließlich, wie ich bin.

Erst diese fundamentale Erkenntnis gab mir die Möglichkeit, mich zu verändern, denn zunächst musste ich mit mir ins Reine kommen und mich selbst verstehen. Meine ständige Ablehnung hatte es dabei nur noch schlimmer gemacht, mich selbst und wer ich bin zu akzeptieren.

Wenn wir davon ausgehen, dass Gemeinschaften (Familien, Orte, Firmen, etc.) nur die Summe von Individuen sind, dann könnte doch der Weg aus dem ständigen auf der Stelle treten sein, dass wir damit anfangen, uns einzugestehen, wer wir heute sind und wie es dazu kam.

Und dabei geht es nicht darum zu jammern oder schlechtzureden, sondern um die absolute Ehrlichkeit zu uns selbst. Denn um die geht es doch, wenn wir von einer Kultur der Offenheit predigen, oder?

 

Wie kann also Glaubwürdigkeit entstehen?

Firmen, die davon betroffen sind, können ausgehend von meiner persönlichen Erfahrung ganz einfach den ersten Schritt hin zu einem Kulturwandel beginnen:

  1. Offenheit: Analysieren Sie unvoreingenommen und ehrlich die aktuelle Situation und Kultur in Ihrem Unternehmen.
  2. Vorleben: Befördern Sie dabei auch Menschen, die anders sind als der in Ihrer Firma bevorzugte Managertyp, ganz bewusst in Positionen, die von der Gesamtheit gut wahrgenommen werden können. Damit wird klar, dass Sie es ernst mit einem Wandel meinen.
  3. Einbinden: Arbeiten Sie an den Kulturthemen und binden Sie die „Betroffenen“ aktiv mit ein. Machen Sie sie zum Teil der Lösung, damit sie Gestalter werden.
  4. Barrieren abbauen: Sprechen Sie aktiv über die Ängste. Nur so können diese überwunden und Verständnis geschaffen werden. Kleinreden, Abtun oder gar falsche Stärke sind hier fehl am Platz und führen nur ins Gegenteil.

 

Alles andere ist so tun als ob. Dafür hab ich mich nicht geoutet.

Warum sollten es dann andere tun?

 

*LSBT steht hier für alle sexuellen Orientierungen und geschlechtliche Identitäten (WIKIpedia)

Wenn Hierarchie wirkt…

Wenn Hierarchie wirkt…

Seit Jahren beschäftige ich mich mit Hierarchien und die Wirkung von menschlichen Denkmustern und Ängsten darin, um Ursache und Wirkung in unserer Welt besser zu verstehen.

Als letztes Modell lief mir das menschliche Entwicklungsmodell nach Clare W. Graves über den Weg (auch Spiral Dynamics) und ich habe angefangen, meine bisherigen Erfahrungen aus der täglichen Praxis damit zu kombinieren.

Graves beschreibt in seinem Modell die Entwicklungsstufen, die wir im Laufe der Menschheit und seit der Zeit der menschlichen Organisationsformen durchgemacht haben. Von der Steinzeit (Kopf ab) bis hin zu einem holistischen Weltbild (Weltretter).

Das Modell und wie ich die Farben wahrnehme

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#Lila: Notfalls lässt dieser Typ mal Köpfe rollen. In der Vergangenheit wurde in Organisationen gerne darauf zurückgegriffen, weil etwas nicht funktioniert hat. (Schuldige suchen)

#Rot: Hat gute Ideen und Mut und Willen Themen auch anzugehen. Dieser Typ strahlt etwas aus, was andere als Macht emfinden. (Macht kommt von Machern/Machen)

#Blau: Liebt und sorgt für Ordnung und Sicherheit durch Strukturen und Kontrolle. Kann sich oft nicht vorstellen, dass es auch ohne oder anders gehen kann.

#Orange: Überlegt sich Strategien um Kunden/Märkte zu erreichen und versucht über Ziele sich und anderen Freiräume zu schaffen.

#Grün: Vertrauen darin, dass alle Menschen die vorherigen Stufen durchlaufen haben und dass fairer offener Umgang miteinander zum Ziel führen wird.

#Gelb: Das entstandene Vertrauen führt dazu, dass Organisationen in einem loseren Netzwerk zusammenarbeiten. Gruppen entstehen nach Zweck und lösen sich auch wieder auf.

#Türkis: Alle arbeiten für einen höheren ganzheitlichen und evolutionären Zweck um den Planeten und alle Lebewesen wertzuschätzen und uns miteinander weiterzuentwickeln.

 

Transfer

Im Endeffekt erlebe ich immer wieder beim Gründen von Familien, Freundeskreisen, Vereinen oder Firmen, dass diese Stufen von unten nach oben durchlaufen werden. Idee (rot) -> Gründung (blau) -> Gemeinsame Ziele (orange) -> Offenheit / Vertrauen (grün) -> Verteilung (gelb) -> Höherer Zweck (türkis)

Daher stellte sich mir die Frage

Wie ist es möglich, dass die einen Organisationen (Firmen, Vereine, Länder, etc.) es bis fast nach ganz oben schaffen, andere aber entweder in der Barbarei versinken oder irgendwo in der ständigen Effizienzschleife drehen?

Fazits

  1. Hierarchien wirken immer von oben nach unten. Die Situationen, in denen es andersrum war, sind in allen gängigen Geschichtsbüchern wiederzufinden.
  2. Jede neue Organisation startet in der Regel mit einem Menschen, der eine starke Idee hat. Danach durchläuft diese Organisation den Weg über Mitstreiter gewinnen/Team bilden, Strategien entwickeln. Also den Weg von rot nach orange.
  3. In Organisationen, die heute äußerst erfolgreich sind, gehen die meisten fair miteinander um und sie arbeiten in netzwerkartigen Strukturen, um zu skalieren.

Aber wie kommen wir dann als organisierte Menschen weiter?

  1. Geht nur soviel, wie welche Farbe die oberste Instanz in einer Organisation hat?
  2. Würde es helfen, wenn wir uns der Wirkungsweise bewusst wären und uns gegenseitig helfen würden?
  3. Was muss geschehen, damit wir sehen, dass es im Kleinen wie im Großen ist

 

Ich arbeite daran… stay tuned 😉

 

Was mich prägte (Kindheit)

Was mich prägte (Kindheit)

Wie alles begann

Als einziges Kind zweier liebevoller Eltern wuchs ich wohlbehütet… <Stop, falscher Film>

Die ersten Jahre

Am 1. Oktober 1979 kam ich im Kulmbacher Krankenhaus auf die Welt. Meine Mutter war damals 19 und mein Vater 22 Jahre alt.

HeinersreuthWir wohnten auf dem Land zur Miete, in einem kleinen Dorf namens Heinersreuth, in dem meine Mutter auch schon aufgewachsen ist: 15 Häuser, davon 4 Bauernhöfe und ca. 60 Einwohner. Über den Verwandtschaftsgrad machte ich mir als Kind allerdings keine Gedanken, ich sprache später jeden mit Tante oder Onkel an 😉

KindergartenMein Vater war LKW-Fahrer und meist auf der Straße irgendwo zwischen Italien und Deutschland, meine Mutter war zu Hause und 3,5 Jahre später kam mein Bruder dazu. Als mein Vater seinen Job wechselte und Busfahrer wurde, hatten wir unseren Umzug in ein anderes Dorf ca. 20km entfernt. So kam es, dass ich bis zur Einschulung drei Kindergärten besucht hatte.

Mein Vater war jetzt öfter zu Hause und trotz seiner Anwesenheit hatte ich immer das Gefühl, dass er mit meinem Bruder mehr anfangen konnte oder vielleicht versuchte, die Zeit, die er mit mir nicht hatte, nachzuholen.

–> Flexibilität und Mobilität; Reflektion

 


Grundschulzeit

Drei Monate nach Beginn des ersten Schulhalbjahres wechselte mein Vater seinen Arbeitgeber und wir hatten den nächsten Umzug, zurück nach wo-alles-begann, nach Heinersreuth.  Also wechselte ich die Schule und kam in eine neue Klasse. Eigentlich ganz froh darüber, da ich in der alten Klasse kaum Anschluss fand. Ich lebte mich ein und meine Lehrerin bestätigte mir, dass bis auf meine Konzentration soweit alles ok war.

In den Sommerferien fuhr ich zu dieser Zeit mit meiner Tante Emma jedes Jahr nach Bad Reichenhall. Das war Tradition. Nachdem ihr Verlobter nie aus dem Krieg zurückkam blieb sie allein und jedes Jahr durfte ein junges Familienmitglied mit ihr in ihre „zweite Heimat„.

4te KlasseIm Laufe der 3ten und 4ten Klasse sank meine Leistung auf eher mittelprächtig, Vor allem in den logischen Fächern; ich legte das erste Mal an Gewicht zu und Sport wurde zu einem meiner meist-gehassten Fächer.

Meine Freizeit verbrachte ich zum größten Teil mit zwei Klassenkameraden auf deren Bauernhöfen in Heinersreuth, welch ein Glück. Meine Mutter arbeitete einen Tag pro Woche, immer dienstags, dann war ich bei meiner Großmutter ein paar Häuser weiter zum Mittagessen und Hausaufgaben machen.

KorfuMein Vater war für den Doppeldeckerbus verantwortlich und so genossen wir unsere Familienurlaube meist in den Pfingstferien im Kreise von fast 80 Personen. Ach klar… als Kinder hatten wir eine verantwortungsvolle Rolle: Gäste im Bus mit Essen und Getränken am Platz zu bedienen.

–> Kundenorientierung und Umgang mit Diversität


Hauptschule

Meine besten Freunde wechselten aufs Gynasium und natürlich waren sich alle einig, dass aus mir mal was Vernünftiges werden soll und dafür die Realschule völlig ausreichend ist. Außerdem waren die Noten auch nicht die besten.

Ich hatte das Glück, in der 5ten/6ten Klasse einen Lehrer mit Herz zu haben, der viel Wert auf Menschlichkeit legte. Und kaum zu glauben, meine Leistungen stiegen und ich war sogar Klassenbester.

Mein Vater war während dieser Zeit kaum zu Hause, meist zwei Wochen auf Tour und kam wenn nur über Nacht zum Klamottenwechsel nach Hause. So kam es, dass er auf seinen Reisen eine andere Frau kennenlernte, mit der er eine Affäre anfing und sogar fast ein Jahr nicht mit uns lebte. Das führte zu Spannungen, wenn wir uns begegneten und ich habe ihn schlussendlich nicht mehr als Familienmitglied respektiert.

–> Ablehnung von mächtigen Oberhäuptern und autokratischen Hierarchen

WastlIch nahm weiter an Gewicht zu und hatte kurz darauf bereits 100kg.

Mein Zweck ist…

Mein Zweck ist…

Seit meiner Schulzeit, während der Ausbildung, meinen Jobs, den Projekten oder meinem abgebrochenen Studium gab es zwar immer wieder Themen, die mir Spaß gemacht haben, aber irgendwie konnte ich mir nicht vorstellen, das alles bis zur Rente zu machen.

Jetzt war ich allerdings familiär geprägt, nichts zu riskieren. Vor allem nicht den Job oder gesellschaftlichen Status.

Risikoavers wie ich war, habe ich versucht, alles kontrolliert im Griff zu haben. Mein gesamtes Leben. Da kam mir mein Job als Projektmanager gerade recht. Doch 2010 lief alles aus dem Ruder. Nach dem Tod meines Vaters (52 Jahre), dem Scheitern meiner Lebenspartnerschaft (fast 9 Jahre) und meiner ständigen körperlichen Ausbeutung durch Arbeit (70 Std. / Woche) und Vorstand einer Freiwilligen Feuerwehr, war dann Schluss. Der komplette Zusammenbruch, Burn-Out.

Seitdem ist viel passiert

  • Delegation für 3 Monate nach Peking
  • Umzug nach München
  • Fast jährlicher Jobwechsel (Wechsel der Führungskraft)
  • Überführung einer hierarchisch strukturierten Feuerwehr in eine netzwerkartige Organisation
  • Gründung des Diversity Netzwerkes PRIDE@Siemens

Nach nun 6 Jahren kann ich sagen, alles wurde anders. Ich habe vieles ausprobiert und gelernt. Dabei dachte ich oft schon zu wissen, was ich tun will. Aber nach einiger Zeit stellte ich immer fest, dass ich mir nicht vorstellen kann, das alles in Vollzeit zu tun.
Im Laufe der hatte ich das Glück, mit sehr vielen Menschen immer wieder darüber zu sprechen. Dadurch konnte ich reflektieren, ob es das wirklich war, was ich wollte, oder nicht. Als ich dann wieder Sätze hörte wie „Jetzt bleib doch mal bei einer Sache.“ Fiel der Groschen. Warum eigentlich, ich bin nicht so. Mich interessiert ganz viel und nach einiger Zeit verliere ich auch das Interesse.

Daher fragte ich mich, woran das wohl liegen könnte? Was stimmt nicht mit mir?

Mir liefen dann ein paar Bücher desselben Autors über den Weg; John Strelecky beschreibt in seinen Büchern, wie Menschen herausfinden, warum sie existieren (Zweck der Existenz) und was sie auf der Welt vorhaben (Big 5 for Life).

Es dauerte ungefähr einen weiteren Monat und viele Gespräche im Kreis von Kollegen, um zufällig und ganz nebenbei zu erkennen, dass das, was meine Stärken sind und das, was ich tue, gar nicht dazu da ist, um Dinge bis zum Ende zu tun. Dank des Feedback vieler Menschen wurde mir klar, dass ich anderen Mut mache, Dinge selbst in die Hand zu nehmen und es eigentlich immer nur vormache.

Mit diesem Wissen im Kopf kann ich jetzt klar sagen, was ich kann und wie man mich am besten einsetzen kann. Das macht mein Leben wirklich einfacher 😉

Zweck der Existenz: Anderen Mut machen, Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

Schonmal Vorwürfe gemacht?

Schonmal Vorwürfe gemacht?

Mir ist es leider schon häufig passiert, dass ich anderen Menschen Vorwürfe gemacht habe.

„Die haben keinen Mut, mal etwas anders anzugehen!“
„Warum geben die ihre Fehler nicht zu?“
„Wieso mischen die sich überall ein?“

Selbstwahrnehmung

Ich war in diesen Situationen oft wütend, enttäuscht oder frustriert, weil etwas nicht so lief, wie ich es mir vorgestellt habe. Die Frage aber ist doch, habe ich durch meine emitionalen Ausbrüche etwas verändert? Oder hat sich etwas geändert, wenn ich aus dieser Emotion heraus gehandelt habe, indem ich z.B. jemanden etwas weggenommen habe („Du kannst das nicht!“)?

Natürlich hat sich nichts geändert, es hat alles nur schlimmer gemacht.

Analyse

Wenn ich tief in mich hineinsehe und überlege, dann muss ich zugeben, dass hinter diesen starken Emotionen immer nur eins steckte: Angst

Angst davor, selbst

  • als nicht mutig zu gelten
  • Fehler zugeben zu müssen
  • nichts zum Erfolg beigetragen zu haben > Schwächen zu zeigen

Ich stand dabei meistens unter Stress, das führte zu komischen Handlungen und dadurch zu noch mehr Stress und somit zu noch mehr Angst.

Damit wurde es zur selbsterfüllenden Prophezeiung (eigenes Grab geschaufelt).

Erkenntnis

Um die Entscheidung treffen zu können, so weiterzumachen oder nicht, braucht man Erkenntnisse. Diese können in jeglicher Situation kommen.

Ich brauchte davon eine ganze Menge, um aufzuwachen:

  • mein Freund stellte die richtigen Fragen
  • meine Freunde
  • vertraute Kolleg_innen
  • ein notfallmäßiger Transport von Feldafing ins Tutzinger Krankenhaus wegen Bluthochdruck
  • eine Aura (Sehstörung) während eines Meetings
  • meine Ärzte
  • mein Psychologe & Coach

Transformation

Schlussendlich ist es immer das gleiche:

„Die Erkenntnis macht noch keinen Unterschied, sondern die Umsetzung.“

Nun konnte ich mich nächst bei Menschen entschuldigen, die ich verletzt hatte. Um jedoch das Erkannte auch in die Tat umzusetzen, war es notwendig, eine Entscheidung zu treffen:

„Ich akzeptieree, dass ich ein Mensch mit Ängsten und Schwächen bin.“

Was ist dadurch geschehen?
Vieles. Ich kann heute darüber reden und andere können mir helfen, zu erkennen, ob ich gerade so handle, weil ich Angst vor etwas habe, oder es einfach nicht kann, aber will, dass es funktioniert. Damit kann ich aktiv um Hilfe bitten.

Darüber hinaus verurteile ich Menschen nicht mehr.
Mit der Akzeptanz, dass ich so bin, wie ich bin, fällt es mir auch leichter, andere zu akzeptieren.

Und ich übe jeden Tag. :wink:


In meinem Buch mit kleinen Geschichten, habe ich einen „Witz“ gefunden, der das Thema #Projektion behandelt, also dass man die eigenen Schwächen in anderen zum Teil erkennt.

„Also vorsichtig mit Vorwürfen, man sagt mehr über sich als über andere.“ :wink:

 

witz_projektion

 

Buch-Quelle:
Jorge Bucay, Komm, ich erzähl dir eine Geschichte

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